Franz Josef Burghardt

Das Brücker Wappen

(Der nachfolgende Artikel ist dem Buch "Unser Brück" Bd. 3 des Brücker Geschichts- und Heimatvereins entnommen. Dort befinden sich auch umfangreiche Anmerkungen und Quellenangaben.)

Die ersten Wappen unseres abendländischen Kulturkreises sind aus dem zweiten Viertel des 12. Jahrhunderts bekannt . Sie verdanken ihre Entstehung der Tatsache, daß die Ritter infolge ihrer vollständigen und gleichartigen Rüstung persönlich nicht mehr zu erkennen waren und daher die Notwendigkeit bestand, sie durch ein weithin sichtbares Zeichen im Kampf als Freund oder Feind zu erkennen. Ähnliches ist aus dem Zweiten Weltkrieg durch die Wehrmachtskennzeichen der Panzerarmeen bekannt.
Damit waren zunächst nur die hohen, später auch die niederen Adligen wappenführend. Da sie als Ritter ihr Wappen vornehmlich auf ihre Schilde zeichneten, wurde die Schildform zur traditionellen Form des Wappens.

Anfänglich nur persönliche Schildbilder bestimmter ritterlicher Waffenträger, wurden die Wappen sehr bald zu beständigen Kennzeichen der Familie ihrer Träger. Diese Entwicklung vom persönlichen Kennzeichen zum Familienzeichen war im Siegelwesen bereits früher vollzogen worden. Mit dem Aufkommen der Wappen wurden diese zunehmend in Form und Figürlichkeit als Siegelinhalt übernommen.
Durch die Ausdehnung der Siegelführung im 13. Jahrhundert verbreitete sich auch der Wappengebrauch auf juristische Personen (Bistümer, Abteien, Städte, Gilden, Zünfte), aber auch schon früh auf namhafte Bürgerfamilien großer Handelsstädte. Seit dem 14. Jahrhundert ging zwar durch Veränderungen der Kriegstechnik die Bedeutung der gepanzerten und daher schwerfälligen Ritter zurück, doch erreichte die Wappenkunst auf den Turnieren des Adels einen ersten Höhepunkt. Bis zum 15. Jahrhundert hatte sich die Wappenführung auf den gesamten Adel und die höhere Geistlichkeit und auf die sozial führenden Schichten des Bürgertums sowie auf Städte und Korporationen ausgedehnt.

Während die Verwendung von Siegeln und Wappen durch Städten schon seit dem Hochmittelalter bekannt ist blieb sie für nichtstädtische Gemeinden in Deutschland bis zum Ende des 19. Jahrhunderts die Ausnahme. Erst nach dem Ersten Weltkrieg begannen die Gemeinden allgemein damit, Wappen anzunehmen, ein Vorgang, der bis in die jüngste Zeit hinein anhält. Dabei wird von historisch und kommunalpolitisch interessierten Personen einer Gemeinde ein Wappen entworfen, das in Farben und Inhalt möglichst auf den Gemeindenamen oder auf besondere historische oder geographische Umstände (Landesherr. Adelssitz, Berg, Fluß u.ä.) bezug nimmt; man spricht dann von einem "redenden" Wappen. Anschließend wird der Wappenentwurf von einem Heraldiker fachgerecht gezeichnet, von dem zuständigen Staatsarchiv unter verschiedenen Gesichtspunkten (Verschiedenheit von anderen Wappen, historischer Bezug u.ä.) geprüft und schließlich durch den Innenminister des Bundeslandes als oberste Kommunalaufsichtsbehörde genehmigt.

Brück war zu keinem Zeitpunkt seiner über 830jährigen Geschichte eine selbständige Gemeinde. Der Ort gehörte kirchlich vor 1889 zur großen alten Pfarrei Merheim und politisch vor 1813 zum Amt Porz-Bensberg im Herzogtum Berg, dann bis zur Eingemeindung nach Köln zur Gemeinde Merheim im Landkreis Mülheim.

Es ist daher verständlich, wenn bislang kein Brücker Ortswappen existierte. Dies jedenfalls ist das Ergebnis von Nachforschungen von Mitgliedern des Geschichts- und Heimatvereins "Unser Brück" unter der Leitung des mit den alten Ortsstrukturen bestens vertrauter Heinz Ganss und unter Mitwirkung der Historiker Hans Kirsten, Kornelius A. Vonderbank und Dr. Franz Josef Burghardt.

Allerdings ist denjenigen, die im Verlaufe der letzten 40 Jahre die katholischen Grundschule Brücks besuchten, aus dem Heimatkundeunterricht ein "Brücker Wappen" bekannt, das ohne Farben einen doppelt gezinnten Querbalken zeigt. Diese Darstellung wurde aus der Familien-geschichte Brück (1908) übernommen, wo das Wappen aus dem Siegel eines gewissen Johann von Brughe aus dem Jahr 1353 abgebildet ist. Tatsächlich hat dieser Johann von Brughe und damit auch sein Siegelwappen nachweislich nichts mit unserem Ort zu tun. Die Übernahme dieses Familienwappens als Brücker Ortswappen wäre also völlig unhistorisch und würde nur auf dem groben Fehler eines Familienforschers beruhen, der unter Mißachtung elementarer Regeln geschichtlicher Forschung die adlige Abstammung seiner Vorfahren blegen wollte.

Ebenso wurde die Übernahme zweier Familienwappen Brück als Ortswappen abgelehnt, da dies allgemein unüblich ist und das Wappen einer ortsansässigen Familie immer nur eine Facette der Ortsgeschichte symbolisiert. Ähnliches gilt für Vereinswappen, von denen in Brück das der Sportschützen-Gesellschaft Hubertus gut bekannt ist.

In Absprache mit weiteren führenden Persönlichkeiten Brücks entschloß sich daher der oben genannte Personenkreis, ein neues Ortswappen zu entwerfen, das wesentliche Merkmale des Ortes widerspiegeln soll:
Als "redendes" Wappen enthält der Schild eine Brücke, heraldisch stilisiert durch einen nach unten gezinnten Querbalken. Oberhalb der Brücke befindet sich ein roter Löwe, der an die über 500 Jahre dauernde enge Verbindung Brücks zum Herzogtum Berg erinnert . Immerhin war der Gräfenhof seit 1273 als "Kameralgut" oder "Domäne" Eigentum der Grafen und späteren Herzöge von Berg. Die zwei Rohrkolben unterhalb der Brücke sind Zeichen für das Bruchland des Flehbachs, dessen Verlauf vom heutigen Wildgehege über die Erker Mühle, durch die Flehbachaue bis hin zum Merheimer Bruch wesentlich die Geographie Brücks bestimmt.
Dieser Entwurf wurde von einem der namhaftesten deutschen Heraldiker fachgerecht gezeichnet und der Öffentlichkeit vorgestellt. Er und soll symbolisch den eigenständigen Cha-rakter Brücks zum Ausdruck bringen und damit auch das Engagement seiner Bürgerinnen und Bürger für die Belange der Ortes fördern.
© dtb 1999