Franz Josef Burghardt

Größe und Nutzung des Gutes


(Der nachfolgende Artikel ist dem Buch "Unser Brück" Bd. des Brücker Geschichts- und Heimatvereins entnommen. Dort befinden sich auch umfangreiche Anmerkungen und Quellenangaben.)
Nach dem Übergang an die Grafen, seit 1380 Herzöge von Berg befand sich der Gräfenhof über 500 Jahre lang in staatlichem Eigentum und wurde daher bis zu seiner Privatisierung 1820/23 in den Quellen als „Kameralgut" oder „Domäne" bezeichnet. An dem grundsätzlichen Eigentumsrecht des jeweiligen Landesherrn änderte auch die Tatsache nichts, daß der Gräfenhof von 1453 bis mindestens 1548 an die Adelsfamilie von Plettenberg und deren Nachkommen verpfändet war, ebensowenig die auf dem Hof seit 1649 lastende Obligation von 2500 Reichstalern.
1789 gab es im bergischen Amt Porz folgende verpachteten Kameralgüter:
- Hündgeshof (Bensberg, 76 Rtl.)
- Hebborner Hof (80 Rtl.)
- Fronhof (Bergisch Gladbach, 78 Rtl.)
- Grevenhof (Brück, 150 Rtl.)
- Niederschervener Hof (119 Rtl.)
- Langeler Hof (17 Rtl.)
- Merckerhof (Mülheim, 240 Rtl.)
- Milenforst (Dellbrück, 535 Rtl.)
- Hardtgenbuscher Höfe (Ostheim, 215 Rtl.)

Nach der Landvermessung von 1750/51 umfaßte der Gräfenhof insgesamt 414 Morgen, 1 Viertel, 28 Ruten, also etwa 100 ha. Davon entfielen auf
- „Haus und Hof": 10 Morgen, 1 Viertel, 20 Ruten,
- „an der erster Gewand" : 120 Morgen, 15 Ruten,
- „an der Kranenhoffer Gewand": 90 Morgen, 30 Ruten,
- „in der Boicher feldger Gewand": 68 Morgen, 3 Viertel, 3,5 Ruten,
- „Ostheimer Feld": 26 Morgen, 2 Viertel,
- Büsche: 86 Morgen, 2 Viertel, 29,5 Ruten,
- Wiesen: 11 Morgen, 2 Viertel, 28 Ruten.
1757 waren von diesen Ländereien 200 Morgen in Gebrauch, davon 140 Morgen steuerfrei. Von den im Okt. 1759 in Brück gelagerten Heuvorräten verfügte der Gräfenhof mit 150 Zentnern über etwa 20% der Gesamtmenge.
In einer Statistik des Botenamtes Merheim aus dem Jahr 1797 ist für Brück angegeben:
- Acker 843 ½ Morgen,
- Wiesen 16 ½ Morgen,
- Forsten 1031 ¾ Morgen.
Demnach umfaßte der Gräfenhof mehr als ein Drittel der gesamten Brücker Ackerfläche
Nach der Anglioederung des Rheinlands an das Königreich Preußen 1813/15 erfolgte wenig später eine Begutachtung des Gräfenhofs durch die preußische Domänenverwaltung mit dem Ziel, den Nutzen des Gutes für die Staatskasse besser einschätzen zu können:
„Der im Dorfe Brück, Sammtgemeinde Merheim gelegene sogenannte Grevenhoff gehört, wie schon aus seiner Benennung hervorgeht, zu den alten Domainen der ehemaliogen Grafen nachherigen Herzoge von Berg.
Die Gebäude dieses Hofes bestehen aus einem Wohnhause in Stein, einer in Holz aufgeführten neuen Scheune, einem Backhause, und den nöthigen Stallungen, welche Letztere jedoch schon altershalber sich nicht mehr in dem besten Bauzustande befinden. Dioe Grundstücke dieses Gutes enthalten an Hofraum und Garten 3 Morgen / - Ruthen
an Ackerland 300 / -
an Wiesen 12 / -
an Büschen 87 / -
insgesamt 402 Morgen
Ferner ist das Gut zu 11 ½ Gewald auf der Brückergemarke berechtigt, wobey jedoch zu bemerken, daß der Ertrag dieser Gemarkenberechtigung von der Pachtung ausgeschlossen und zur Königlichen Forstcasse be benutzt wird, ebenso stehen auch die Hofesbüsche unter Landesherrlicher Verwaltung, und Pächter erhält zufolg Art. 7 seines Pachtcontractes nur das Brantholz jährlich aus denselben.
Nach der Mutterrolle sind die Grundstücke classifiziert wie folgt:
1. Hofraum und Garten
3 Morgen = 1ter Klasse
2. Ackerland
29 Morgen = 1ter Klasse
112 Morgen = 2ter Klasse
124 Morgen = 3ter Klasse
35 Morgen = 4ter Klasse
3. Wiesen
3 Morgen = 3ter Klasse
9 Morgen = 4ter Klasse
4. Büsche
5 ½ Morgen = 1ter Klasse
11 ¾ Morgen = 2ter Klasse
46 ½ Morgen = 3ter Klasse
23 ¼ Morgen = 4ter Klasse
Der reine Ertrag dieser Gründe ist abgeschätzet
1. Hofraum und Garten 40 Fr 36 Cs.
2 Ackerland 2008 Fr. 81 Cs.
3. Wiesen 54 Fr. 50 Cs.
4. Hofesbüsche 122 Fs. 49 Cs.
2226 Fr. 16 Cts.
Außer der gewöhnlichen Grundsteuer, welche für dieses Gut einschließlich der Büsche im Durchschnitt etwa 900 Francs jährlich beträgt, bestehen die darauf haftenden Lasten darin, daß
1) von den Hofesgründen der Garbenzehnden an den Herrn von Kempis entrichtet werden muß , und
2) daß ein zeitlicher Pastor zu Merheim ein Compezenz von 4 Malter Roggen jährlichs aus gedachtem Hof zu beziehen hat , welche Letztere doch nach dem Finanz-Gesetze vom 22. Juni 1811 der Staatscasse überwiesen und der Betrag der Pachabgabe des Pächters für die laufenden Jahren zugesetzt worden ist.
Auf den Grund des Pachtcontractes vom 5. Mai 1798 (dessen Jahre erst mit Petri Stuhlfeier 1821 zu Ende gehen) sodann in Gemäßheit späteren Vereinbarung vom 10ten Mai 1813 beträgt die gegenwärtige Pachtabgabe
- an Geld baar 550 Fr. 00
- 4 Malter Roggen a 18 Francs 72 Fr. 00
- Hierzu die Nutzung der 11 ½ Gewald auf Brückergemarke
jährlichs etwa 60 Fr. 00
- Ferner der Ertrag der Hofesbüsche nach Abzug des Brennholzes nachhaltig ungefähr 1 Fr. 50 Cs. p. Morgen 130 Fr. 50
also im ganzen Ertrag 812 Fr. 50
Hiervon gehen ab die von der Casse zu zahlenden
9/16tel der Grundsteuer ad 900 Franks mit 506 Fr. 25
mithin bleibt reiner Ueberschuß 306 Fr. 25

Meines pflichtmäßigen Ermessens könnte dieses Gut nach Verhältniß anderer Güter von gleicher Morgenzahl und Qualität mit Ausschluß der Hofesbüsche und der Berechtigung auf der Brückergemarke, bei einer nach den General Bedingungen zu verleihenden Zeitpacht eine jährliche Pachtabgabe von 1800 bis 2000 Francs abwerfen. Also aufgestellt Mülheim den 27 Januar 1817 der Domainen Rentmeister Ignaz Pfingsten".

Die obige Beschreibung des Gräfenhofs und der mit ihm verbundenen Rechte und Lasten unmittelbar vor seiner Privatisierung um 1820 verdeutlicht aus der Sicht der preußischen Verwaltung, daß der Hof weit unter seinem eigentlichen Ertragswert verpachtet war. Grund dieser bis dahin für den Pächter sehr günstigen Regelung war offenbar das im 17. Jahrhundert de facto entstandene und zu Beginn des 18. Jahrhunderts auch de jure festgeschriebene Erbpachtverhältnis mit seinem unverrückbar festgelegten Pachtzins .
Nicht erwähnt wurde in dieser Beschreibung des Gräfenhofs dessen „Weide-Gerechtsam ausschließlich in den Brücker Feldfluren" . Gemeint ist damit das „Schafhude"- oder auch „Schaftrift"-Recht, aufgrund dessen alleine der Hofinhaber berechtigt war, Schafe auf den Feldern zu halten. So hatte die in Mülheim a.Rh. gelegene herzogliche Domäne Märkerhof, der in Größe, Pachtzins und Grundsteuer mit dem Gräfenhof vergleiochbar war, „die Gerechtsame der Schaftrift in der Feldflur von Mülheim".
Wie aus dem folgenden Gutachten vom 4. Dez. 1856 hervorgeht, besaß der Gräfenhof die Schafhude-Gerechtigkeit auf ca. 1400 Morgen, also auf allen Brücker Feldern. Hierzu zählten auch Grundstücke im Umfang von mindestens 70 Morgen, die 1825 nicht zur Gemarkung Langenbrück, sondern zur „Gemeinde Rath" gehörten. Ihr Eigentümer, der Freiherr von Geyr zu Rath, konnte nachweisen, daß er auf diesen Äckern eine halbes Mithuderecht besaß, so daß sich die Familie Bürgers als Ankäifer des Gräfenhofs durch eine fehlerhafte Angabe der preußischen Behörden bei der Hofversteigerung getäuscht sah:
„Der königliche Domänenfiskus verkaufte an den jetzt verstorbenen Kaufmann V. Bürgers den zu Brück, Kreis Mülheim, belegenen Greven-Hof mit der dazu gehörigen Schafhudegerechtigkeit auf einer circa 1400 Morgen großen Ackerflur. Es ergab sich indeß, daß die nachfolgenden Grundstücke ... dem Mithuderecht ihres Eigenthümers unterlagen, und es wurde Fiskus zur Entschädigung verurtheilt. In Uebereinstimmung mit den Erben des inzwischen verstorbenen Ankäufers hat die königliche Regierung zu Coeln den Unterzeichneten zur gutachtlichen Äußerung über die Höhe dieser Entschädigung aufgefordert, und es ist dabei die zu beantwortende Frage dahingestellt worden:
Welchen jährlichen Einnahmeausfall hat der Greven-Hof dadurch erlitten, daß von demselben auf obige 60 M. 164 R. 50 F. nur die Hälfte der Schafe aufgetrieben werden konnte, die beim Vorhandensein einer ausschließlichen Triftgerechtsam hätten aufgetrieben werden können, und ob der Kapitalwert des Ausfalls, der Forderung der Erben Bürgers gemäß, auf 180 Thlr. angeschlagen werden könne.
Da hiernach nicht erforderlich, zu ermitteln, welcher Antheil der gemeinschaftlichen Hude-Reviers dem Grundeigenthümer und welcher dem Servitutberechtigten zufällt, da vielmehr dieser Antheil zu einer Hälfte angegeben ist, so bleiben die Fragen zu beantworten:
I. Wieviel Schafe können auf jener Fläche gehütet werden? Der jährliche Ertrag der Hälfte dieser Schafe bildet sodann den Jahresverlust.
II. Welches ist dieser jährliche Ertrag.
Zu I. Jeneerfläche von circa 70 Morgen bietet eine Weide für die Schafe zur Zeit der Brache und zur Zeit der Stoppeln. Wie oft und für welche Zeitduer diese Weide vorhanden sei und welche Menge an Weidefutter sie einbringe, bestimmt sich durch die Beschaffenheit des Bodens, durch die Fruchtfolge und durch ortsübliche Art der Bestellung. In letzterer Beziehung ist an den Satz zu erinnern: Je nachlässiger der Ackerwirth desto besser die Schaftrift und umgekehrt. Dort, wo der Grundbesitzer den Acker so viel als möglich zu nutzen bestrebt ist - wie es hier und gegenwärtig der Fall ist - bleibt für die Schafhude eine minder erhebliche Benutzung übrig. So kommt, bei der hiesigen freien Wechsel-Wirtschaft und bei dem zertheilten Grundbesitz, Brache nur in einem geringen Verhältniß vor, und auch die Stoppel muß häufig einer Zwischenfrucht (außer der Rübe Inkarnat oder auch gelber Klee) weichen. Außerdem erkennt der Ackerer den Vortheil, den mit seltenen Ausnahmen, ein möglichst frühes Umbrechen der Stoppel mit sich bringt, und es hat nicht minder einer fleißigen und zweckmäßigen Bebauung die Folge, daß das Unkraut - ein erheblicher Teil des Schaffutters - eingeschränkt wird. Anderseits ist die ortsübliche Fruchtfolge insofern für die Schafhude etwas günstiger als man nach dem Klee vorzugsweise Hafer säet, mithin dioe alten Kleefelder der Schafhude eine Zeit lang geöffnet bleiben. Es sei hierbei schließlich noich erwähnt, daß zwar die Gerste in jener Gegend nicht häufig gebaut wird, daß sie aber dennoch nicht übergangen werden kann, und hier oin der Fruchtfolge die Stelle naCH DER Kartoffel zu geben ist. Was sodann den Boden trifft, so ist dieser zum größeren Theil als ein milder, etwas mehr sandiger Lehmboden, zum kleineren Theil als ein lehmiger Sandboden zu bezeichnen. Er ist hiernach zu 8 2/3 Morgen zur III., im übrigen zur II. Classe katastrirt. Für den vorliegenden Zweck kann die Fruchtfolge auf den Durchschnitt beider Bodenklassen sich stützen, zumal jener Unterschied für die Grasproduction gar nicht in Betracht kommt. Die Menge des Weidefutters, welches die Brache und Stoppelweide gibt, wird durch die Quote derjemigen Grasproduktion ausgedrückt, welche ein Acker liefern würde, wenn er als Dreeschweide liegen bliebe. Nach jener Bodenbeschaffenheit ist anzunehmen, daß in solchem Falle 3600 Rthl. Weidefutter auf dem Morgen Acker wachsen würde.Wenn daher von der nachstehenden Fruchtfolge ausgegangen und die dabei angegebenen Bruichzahlen jene Quote bezeichnen
Brache 1/3
Weizen 1/20
Roggen -
Klee 1/10
Hafer 1/12
Kartoffeln -
Gerste 1/15
Wickem 1/20
Roggen 1/10
Buchweizen 1/20
Summa: 10/12,
so ergibt sich daß der Morgen ... durchschnittlich in einem Jahre 300 Pfund Weidefutter produciert."

Was den Waldbesitz des Gräfenhofs angeht, so muß unterschieden werden zwischen - den „Hofesbüschen" in unmittelbarer Nähe des Hofes (ca. 27 Hektar ), - den „Gewalten", also Nutzungsrechten in den Brücker Gemarkenwäldern und - dem Waldbesitz im Königsforst, über den wir durch eine Aufstelling aus dem Jahr 1828 informiert sind:
„Taxations-Tabelle oder Übersicht der Resultate, welche die Abschätzung des Holzbestandes in den Gräfenhofs-Waldungen in der Oberförsterei Königsforst der Forst-Inspection Bensberg gefunden worden sind. Taxirt und berechnet durch den Oberförster Deubler im Jahr 1826.
1. Ferkelskamp, unter der Wiesen nördlich 2 Morgen / 154 Ruthen
2. Der Felkelskamp ober der Wiesen 9 / 99
3. Die Rauehecke 12 / 32
4. Die Ratherhecke 13 / 20
5. An der Thurnerwiesen 6 / 20
6. Rathersehl 9 / 48
7. An der Rohefurth 19 / -
8. An der oberen Flehbach 18 / 118
Summa 95 Morgen / 48 Ruthen"
Die gesamte Waldfläche belief sich also auf etwa 25 Hektar. Ausdrücklich angemerkt wurde, daß aus der Parzelle Rathersehl 4 Morgen 100 Ruthen durch Rodung zu Ackerland umgewandelt wurde. Der Wert des Holzbestandes lag überwiegend im Niederwald (1148 Rtl.) und nur zu einem kleinen Teil im Hochwald (239 Rtl.).