Franz Josef Burghardt


Kapitalbelastung


(Der nachfolgende Artikel ist dem Buch "Unser Brück" Bd. 4 des Brücker Geschichts- und Heimatvereins entnommen. Dort befinden sich auch umfangreiche Anmerkungen und Quellenangaben.)
In der Bensberger Kellnereirechnung des Jahres 1743/44 heißt es zum Gräfenhof u.a. :
„Ihre Churfürstl. Dhlt. [Durchlaucht] haben aber in Rechnung Jahres 1649 biß 1650 beygelegten Befelcheren [Befehl?] copeylecher Verschreibung und fürstliche Vergleichs unter denen darin begriffenen Conditionen den gewesenen Obristwachtmeisteren Henrichen Schungel dessen Erben und Haltere obgeme[lt]e Verschreibung anstatt einer auff die Kellnerey zu Caster gestandener alter fürstl[iche]r Verschreibung de dato 23ten 8bris 1592 und dabey in gewissen contrahirten Conditionen auff auf Widerloeß Martini 1648 an zu rechnen, biß Ihre Dhlt. die Loeß ein Viertel Jahr zuvore aufzukündigen freystehen solle, für 2500 rthlr. nebst den darzu gehörigen Büschen und Egger (Eyger?), wie mit mehreren retro specificirt zu ersehen, verschrieben."

Im Jahr 1816 war der Gräfenhof immer noch mit einer Obligation von 2500 Goldgulden bzw. 3190 preußischen Talern belastet, deren Inhaber seit dem Jahr 1649 mehrfach wechselten. Als „ursprünglicher Gläubiger" wird in den Akten der Jahre 1809-1815 ein Dries von Merode genannt; er war wohl der Inhaber der oben erwähnten ersten Verschreibung von 1592 zu Lasten der Kellnerei des jülichen Amtes Caster. Durch „mehrere Veränderungen" sei dieses Kapital an die Erben Capitolo gekommen.

Einen teilweisen Aufschluß über den Besitzerwechsel gibt ein Schreiben des Düsseldorfer Notars Joseph Müller , der eine Erklärung des Jacob Paulus beurkundete, heißt es: „Um diesem zu genügen, so übertrüge er hiermit in vollem Eigenthum den ihm zugehörigen dritten Theil an einer ursprünglich zum Vortheil der verwittibten Obristin Anna Maria Sibilla von Capitolo gebohrene von Hettermann sprechenden Obligation vom Jahre eintausendsechshundertneunundvierzig zu Lasten der Domänen stehenden Obligation von zweytausendfünfhundert guten [...] overländischer rheinischer Goldgülden oder zweitausendfünfhundert Reichsthaler jeden zu acht-und-siebenzig Albus kölnisch gerechnet, wofür die im ehemaligen Amt Porz gelegene sogenannte Domänen Gräfenhof und dessen Zubehörungen verschrieben sind. Die ebenbemeldte Wittib von Capitolo hatte solche von den Eheleuten von Schungel und Anna Katharina Maria von Neuhoff erworben und er Komparent [d.i. Jacob Paulus] hätte dieselbe von seiner verlebten Ehefrau Elisabeth Sebus ererbet".Weiter heißt es in diesem Dokument, daß die Witwe Capitolo 1800 in Ratingen ohne Testament verstorben sei und daher die Ehefrau des Jacob Paulus zu deren Erben gehöre.
Bei dem in diesem Text genannten „Schungel" handelte es sich wohl um Ernst Dietrich von Bockenförde genannt Schüngel zu Osterhaus (+ 1670), der wie seine Ehefrau v. Neuhoff aus einer alten westfälischen Adelsfamilie stammte.
Eine Anna Maria Sibilla von Capitolo geb. von Hettermann hat es zwar nicht gegeben, doch heirateten um 1715/20 Franz Theodor Capituli, kurpfälzischer Oberstleutnant (* 1691, + 1736) und Agnes Agatha von Hettermann (* um 1692, + 1736), Tochter des jülich-bergischen Geheimen Rates Reichsfreiherr Johann heinrich von Hettermann.

Die Familie Sebus kam offenbar durch die Heirat der Anna Cordula Sebus 1743 mit Johann Heinrich von Capitolo in den Besitz der Gräfenhof-Obligation. 1809 werden als Erben dieses Kapitals zu einem Drittel genannt ein Hauptmann Sebus, seine unverheiratete Schwester Helena Sebus und eine Bernardina Tryst, letztere als Erbin ihrer bereits verstorbenen Mutter N. Sebus. Diese Geschister Sebus sind, wie aus dem Zusammenhang hervorgeht, um 1740/50 geboren, und ihr Vater wird ein Bruder der oben genannten Anna Cordula Sebus gewesen sein.
Hauptmann Sebus geriet aber in Geldnöte und verschuldete sich 1802 bei seiner Schwester Helena Sebus mit 500 Rtl., wobei er einen Teil seines Kapitals am Gräfenhof abtrat, die diesen Betrag am 20. Mai 1809 ihrer Nicht Helena Sebus (d. Jüngere) schenkte. Wenig später starb Helena Sebus d. Ält. und vermachte ihren Anteil am Gräfenhof-Kapital ihrer anderen Nicht Elisabeth Sebus, verheiratete Paulus, so daß sich um 1809/10 folgende Aufteilung ergab:
563 preuß. Taler Hauptmann Sebus,
500 preuß. Taler Helena Sebus d.Jüng..
1063 preuß. Taler Elisabeth Sebus verh. Paulus,
1063 preuß. Taler Bernhardina Tryst verh. Francois.

Da Hauptmann Sebus bei seinem Tod um 1813/14 nur Schulden hinterließ, fiel sein Anteil an seine Gläubiger. Kurz nach 1815 starb auch Elisabeth Sebus und vererbte ihren Anteil an ihren Ehemann Jacob Paulus. Dieser aber war 1809 als „Wegebau Practicant" auf veranlassung der „Schleifungs- und Verschönerungs-Commission" bis zur „Nachweisung einer beträchtlichen Anzahl unter seiner Aufsicht gebrochenen Steine" inhaftiert worden. Da sein Onkel Hauptmann Sebus und seine Tante Helena Sebus d. Ält. ihr Kapital am Gräfenhof als Kaution stellten. wurde er zwar freigelassen, konnte aber den erforderlichen Nachweis nicht erbringen, so daß er schließlich gezwungen war, den von seiner Ehefrau geerbten Anteil an der Gräfenhof-Obligation zugunsten des „Verschönerungs Fonds" abzutreten.