Franz Josef Burghardt

Zugeordnete Häuser und Höfe



Noch in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts mußten die Eigentümer bestimmter Höfe und Häuser in Brück dem Herzog von Berg Geldabgaben „in den Gräfenhof" leisten. Diese Abgaben werden als „Radergeld" in den Positiva der Bensberger Kellnereirechnung geführt und waren formal in Einheiten der spätmittelalterlichen, im Rheinland üblichen Raderwährung zu zahlen. Die Geringfügigkeit der Summen und die Verwendung der alten Währungseinheit läßt darauf schließen, daß es sich hier ursprünglich um eine Naturalleistung, z.B. eine Hühnerabgabe, handelte. Als solche werden 1789/90 genannt:
- der Zweifelstrunder Hof (1 Radergulden = 22 Albus u. 4,8 Heller),
- das Haus Marcelli (10 Denare = 1 Albus 6 2/3 Heller),
- „Groß Adolphs Gut" (9 Denare = 1 Albus 4 4/5 Heller),
- „Meister Tilman Haus" (2 Denare = 3 11/15 Heller).
Dem Pfarrer zu Merheim standen aus dem Gräfenhof 4 Malter Roggen zu, die der Herzog von Berg 1444 zur Abhanltung von Messen in der Brücker Kapelle gestiftet hatte.


(a) Zweiffelstrunder Hof
Als solcher wird der Hof 1743/44 in den Bensberger Kellnereirechnungen genannt: „Tem Zweiffel Strunder Hoff zu Bruck, jetzo Tilman Thurn Kinder undt Wessel Adams gewesener Vogt zu Siegburg, gibt meinem ggten Churfürsten und Herren auf Martini in den Gräffenhoff zu Bruck 1 (Radergulden)". Der Hofinhaber hatte also die Pflicht, jährlich einen Radergulden an den Herzog von Berg als Eigentümer des Gräfenhofs zu zahlen.

Im 17. Jahrhundert befand sich der Zweiffelstrunder Hof im Besitz der Familie Thurn, die zu jener Zeit zu den führenden bürgerlichen Familien im Raum Bensberg zählte. Darauf weisen die zahlreichen Verbindungen zu hohen Beamten und zum Adel hin, wie der folgenden Stammtafel zu entnehmen ist. Auffallend ist, daß Tilmann Thurn (ca. 1580-1650) eine Nichte einer Catharina von Zweiffel geheiratet hatte, die ebenfalls zu den Erben des oben erwähnten Franz von Zweiffel gehörte. Durch seine Ehefrau Margarethe Weyer waren Tilman Thurns Nachkommen nutzungsberechtigt an der Kölner Studienstiftung Weyer, die von dem 1669 verstorbenen Appellationskommissar Dr. Johann Weyer errichtet worden war. Derartige Stiftungen waren im 17. Jahrhundert für die sozial aufstrebenden bürgerlichen Beamtenfamlien besonders wichtig, da so die kostspielige Studienzeit finanziert werden konnte.
Um 1630/50 werden unter den „Stiftern und Giftern" der Merheimer Marienbruderschaft Jodocus Turn von Brück und das Ehepaar Heinrich Thurn, Gerichtsschreiber in Porz, und Sibilla Rheinfelden (* 16.6.1620, + 11.12.1702) genannt. Sibillas Vater Peter Rheinfelden war Kellner des Amtes Porz-Bensberg, ihr Bruder Johann Jakob (+ 1684) war Kellner und Oberschultheiß dieses Amtes.
1687 ist ein Johann Hermann Thurn Pate bei einem Kind des Johann Plugh, Pächjter des Gräfenhofs, 1701 und 1702 dieser erneut bei Kindern des Johann Marx zu Brück; bei einem weiteren Kind dieses Johann Marx war 1691 ein Johann Michael Thurn Pate. Diese beiden waren wohl identisch mit „Johann Hermann Thurn Montensis" und „Johann Michael Thurn Montensis", die 1667 bzw. 1674 an der Universität Köln immatrikuliert wurden. 1685 eohnte ein Ehepaar Hermann Thurner und Johanna Eva vom Benningsfeld in Brück.

Unter den „Stiftern und Giftern" der Merheimer Marienbruderschaft werden um 1630/50 auch Johannes Adams von Mülheim, Vogt zu Siegburg und Richter des Amtes Lülsdorf, und seine Frau „Adelheit Turns von Brück" genannt. Die Rechte eines Vogtes der Abtei Siegburg hatte der Herzog von Berg inne, überließ die anfallenden Aufgaben aber bis 1676 einem juristisch gebildeten Untervogt, dessen Amt mit dem des Richters zu Lülsdorf verbunden war. Johann Adams ist in seinen Ämtern 1664-1669(+). Er führte u.a. die Verhandlungen mit dem Fürsten Adolf von Nassau über die Wiederherstellung der bergischen Rechte in Lülsdorf, das vorübergehend verpfändet war.
Sein Sohn Wessel Adam wurde 1660 an der Universität Köln als „Wencel Adami Siburgensi") immatrikuliert, er wird also um 1640/45 geboren sein. Er folgte seinem Vater 1669 als Vogt zu Siegburg und Richter zu Lülsdorf, doch mußte er 1673/74 sein Amt wegen Unstimmigkeiten bei der Abrechnung von Lülsdorfer Steuergeldern niederlegen.

Wie bereits oben erwähnt, erschienen am Ende des 17. Jahrhunderts mehrfach Mitglieder der Familie Thuin als Paten bei Kindern der Familie Johann Marx / Catharina Rolshoven zu Brück. Diese engen Patenschaftsverbindungen lassen vermuten, daß Johann Marx entweder verwandt war mit den Thurn oder den Zweiffelstrunder Hof gepachtet hatte. 1687 wird eine Catharina Marx zu Brück, Tochter des „Johann Marx vom Thurn".erwähnt. Ein Johann Anton Marx zu Brück, der 1725 Anna Mechtild Marcelli heiratete, wird ausdrücklich als „Thurner-Halfe" bezeichnet. Er war offenbar der 1700 geborene Sohn des in Brück wohnhaften bensberger Gferichtsschöffen Daniel Marx.

1790 heißt es in den Bensberger Kellnereirechnungen: „... gibt der Zweifel Strunder Hof zu Brück, so dermalen denen Erbgen[ahmen] Benningsfeld zuständig, ... in den Greven Hof zu Bruck 1 Raderg[ulden]".


(b) Haus Marcelli
1743/44 heißt es in der Bensberger Kellnereirechnung: „Item der Schmitt zu Brück Ivan gibt meinem ggst. Churf[ürsten] und Herren von seinem Haus gelegen in Brück jetzo Meister Steffen Marcelli nunmehro Carl Meurer in [vor]gen[annten] Greffenhoff 10 Denare" Dieses Haus ist nicht mit dem Brücker Marzellenhof in Brück zu verwechseln, der zum mittelalterlichen Höfeverband Herl gehörte.

Der Name Marcelli erscheint in Brück erstmals 1690, als „Hans Dirich Marcello" Pate bei einem Kind des Godert Schmitz ist. Ab 1701 werden die Ehepaar Thedor M. und Agnes Greven (+ Brück 16.1.1753) genannt, deren 1702 erstgeborener Sohn den Namen Stephan erhielt; sein Pate war ein „Stephan Marcello", wahrscheinlich der Großvater oder ein Onkel des Täuf-lings. 1726 heirate Stephan Marcelli eine Maria Marx. Bei seinem zweiten Sohn ist ein Stephan Marcelli aus Buchheim Pate.
Die 1709 in Brück geborene Maria Sybilla Marcelli heiratete 1733 Gottfried Benningsfeld aus Kippekausen, der auch nach dem frühen Tod seiner Frau 1740 in Brück wohnte und dort zahlreiche Nachkommen hatte. So ist es verständlich, wenn es 1789/90 in den Bensberger Kellnereirechnungen heißt, daß die „Erbgenahmen Benningsfeld „von ihrem Haus in Brück gelegen, dermalen dem Carl Meurer zuständig" 10 Denare Radergeld in den Gräfenhof zu zahlen hatten.
Über die Person des Carl Meurer ist nichts bekannt.


(c) "Groß Adolphs Gut"
1744 heißt es in der Bensberger Kellnereirechnung: „Item Grossen Adolphs Guth nun hausten Erben, Jetzo Meister Wilhelm Schmitz Erben auf der Kaulen zu Bensberg geben meinem ggsten Churfürsten und Herren in den Gräfenhof 9 Denare".
1790 wird in diesen Rechnungen aufgeführt: „... gibt das Groß Adolfs Gut, jetzo Meister Schmitz Erben auf der Kaulen zu Bensberg zuständig M. ggsten. Herren in den Grevenhof, wird aber retro unter die 15. rtr. 74 alb. in Empfang gebracht 9 den.: 1 alb. 4 4/5 Hlr."


(d) Haus des "Meisters Tilman"
1744 heißt es in der Bensberger Kellnereirechnung: „Item Meister Tilman zu Brück gibt von seinem Haus in Brück nun den Erben Neukirchen zu Mülheim, in [vor]gen[annten] Grefenhof 2 Denare".
Ob mit „Meister Tilman" der beim Zweifelstrunder Hof genannte Tilman Thurn gemeint ist, ist ebenso unklar wie der Zusammenhang zu einer Familie Neukirchen.